Kino

Kokuho

Gestern haben wir zum zweiten Mal den Film „Kokuho – Meister des Kabuki“ ( 国宝 Kokuhō) gesehen.

Ich bin wieder ganz beeindruckt aus dem Kino gekommen. Jetzt, beim zweiten Mal, habe ich noch vieles entdeckt und bin mir sicher, dass es auch noch vieles zu entdecken gibt. Letztlich ist es ein Film über Vollkommenheit, Kunst und den Preis, den man für beides zahlt …

Der Film und die Reise der Hauptfigur Kikuo beginnt mit dem Mord an seinem Vater im Schnee und endet mit dem funkelnden Staub im Bühnenlicht nach dem beschneiten Tanz als Reihermädchen: die Landschaft nach der Kikuo sucht, nachdem er sie erstmals im Tanz des lebenden Nationalschatzes Mangiku gesehen hat, – Kann es sich bei der Landschaft um einen Begriff handeln, der in der Übersetzung verloren geht?

Diese Landschaft zeigt sich, wenn Vollkommenheit erreicht wird, Kunst sich vollkommen verwirklicht, wird symbolisiert durch Schneeflocken oder Kirschblüten, die auf die Bühne fallen, ein Motiv, das immer wieder im Film auftaucht, ebenso wie der Blick nach oben, über den Kikuo und Shunsuke, gegen Ende des Films sogar sprechen und sich fragen, wer sie von oben dort beobachtet. Ist es der Blick eines transzendenten Zuschauers? Oder sind es die Kabukimeister, die ihnen vorangegangen sind, in dieser Kunst die streng in einer männlichen Erbfolge weitergegeben wird?

Hier musste ich an den Besuch des Raku Museums in Kyoto denken. Die Kunst des Raku, einer besonderen Keramik, wird in der Familie seit 450 Jahren in gleicher Weise weitergegeben und doch haben es die Zeitläufte mehrmals notwendig gemacht, dass die Traditionslinie über Frauen der Familie an Außenstehende weitergegeben wurde, weil schlicht kein Sohn da oder fähig genug war: Ein zentraler Konflikt im Film und zwischen Kikuo, dem Zögling, und Shunsuke, dem Erben.

Es gibt noch vieles über diesen Film nachzudenken und doch ist er zugleich einfach ergreifend.